Am 23 November 2025 wurde in Frankfurt am Main im Rahmen einer von weit über 100 Personen besuchten Festveranstaltung der erste Teil von „Zerbrechliche Nachbarschaft. Gedenkbuch der Synagogen und jüdischen Gemeinden in Hessen“ (hrsg. von: Christian Wiese, Stefan Vogt, Doron Kiesel und Gury Schneider-Ludorff, Verlag De Gryuter Brill, ISBN: 978-3-11-143392-9, 69,95 EUR) der Öffentlichkeit präsentiert. Der Band, der kostenfrei auch im open accessÖffnet sich in einem neuen Fenster abgerufen werden kann, enthält 39 Ortsartikel zu den jüdischen Gemeinden in den beiden Großstädten Darmstadt und Offenbach sowie den Landkreisen Darmstadt-Dieburg und Offenbach. Einleitende Aufsätze führen unter anderem in den Forschungsstand und die Geschichte der Synagogenarchitektur im deutschen Raum ein. Die Redner des Abends, darunter Timon Gremmels, Hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, betonten die Erkenntnismehrwerte sowie die Wichtigkeit des Projekts angesichts steigender Zahlen antisemitischer Vorfälle. Die Beiträge würden tiefe Einblicke in die jüdisch-nichtjüdischen Beziehungsgefüge südhessischer Städte und Dörfer zeichnen, wobei das alltägliche Zusammenleben ebenso in den Blick gerückt werde, wie Formen der Ausgrenzung und – vor allem mit Blick auf die Zeit des Nationalsozialismus – der Verfolgung bis hin zur Shoah.
Das Gedenkbuch-Projekt ist eng mit dem Synagogen-Modul des Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen (LAGIS)Öffnet sich in einem neuen Fenster verknüpft, in dem die korrespondierenden Datensätze des Gedenkbuchs neu angelegt oder inzwischen bereits zum großen Teil überarbeitet und mit neuen Forschungsergebnissen angereichert werden konnten. Die überarbeiteten und neuen LAGIS-Artikel konnten zeitgleich mit der Gedenkbuch-Präsentation im relaunchten LAGIS freigeschaltet werden und stehen allen interessierten Nutzerinnen und Nutzern zur Verfügung. Ein neuer FlyerÖffnet sich in einem neuen Fenster bietet Informationen zum Synagogen-Modul.
Die Buchpräsentation bildete den Auftakt zur Jahrestagung des Synagogen-Gedenkbuch-Projekts zum Thema „Landjudentum. Aspekte jüdisch-nichtjüdischer Nachbarschaften im ländlichen Raum seit dem Mittelalter“ (24./25.November 2025). In seinem Vortrag „Hessische Landsynagogen im Landesgeschichtlichen Informationssystem Hessen (LAGIS): Vernetzte Wissensbestände im digitalen Raum“ konnte Daniel Ristau die Mehrwerte des neuen LAGIS speziell mit Blick auf die hessischen Synagogen vorstellen und die Bedeutung des Informationssystems als Forschungstool mit umfangreich vernetzten Wissensbeständen hervorheben.
Die Mehrwerte und Möglichkeiten des relaunchten LAGIS mit Blick auf die Judaika-Module sowie die Einbindung der neuen Erkenntnisse des Synagogen-Gedenkbuchs in das Synagogen-Modul waren am 26. November 2025 Gegenstand einer Präsentation von Stefan Aumann und Daniel Ristau zur Mitgliederversammlung der Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden. Am Abend desselben Tages stellte Herr Ristau in Schaafheim Erkenntnisse zum jüdischen Leben im Landkreis Darmstadt-Dieburg im Rahmen eines Abendvortrags vor.
Aktuell ist das Projektteam des Synagogen-Gedenkbuchs mit der Erstellung der Ortsartikel des zweiten Bandes zum südlichen Hessen befasst, der die Landkreise Bergstraße, Groß-Gerau und Odenwald behandelt. Dieser Band wird voraussichtlich im Herbst 2026 erscheinen.