Im Rahmen meiner Studie über rassistisch verfolgte jüdische Chemiker aus Frankfurt am Main kam ich vor dreieinhalb Jahren mit Dr. Lutz Vogel in Kontakt. Für das LAGIS-Modul „Hessische Biografie“ zuständig, nahm er einige Daten in die Personendatenbank auf, die ich bei meinen lokalhistorischen Recherchen ermittelt hatte. Nach meinem Eintritt in den Ruhestand fragte ich deshalb bei Dr. Lutz Vogel an, ob es möglich sei, am HIL ehrenamtlich tätig zu werden. Diese Frage wurde zu meiner großen Freude positiv beantwortet. Nun kann ich davon sprechen, innerhalb des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur die Abteilung gewechselt zu haben: Der ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiter der Technischen Hochschule Mittelhessen wechselt von einer bezahlten Tätigkeit in HMWK-Abteilung II zu einer unbezahlten Tätigkeit in HMWK-Abteilung V.
Dr. Vogel schlug mir vor, in einem Projekt zu hessischen Rabbinern mitzuarbeiten, da ich mich ja vorab intensiv mit jüdischen Biografien beschäftigt hätte. Obwohl im Rahmen des Rabbiner-Projekts schon umfangreiche Arbeiten geleistet worden waren, gab es immer noch Datenlücken, die durch Recherchen geschlossen werden könnten. Dr. Daniel Ristau würde sich freuen, wenn er bzw. die Arbeitsgruppe Zerbrechliche Nachbarschaft. Gedenkbuch der Synagogen und jüdischen Gemeinden in HessenÖffnet sich in einem neuen Fenster, in der er tätig ist, auf umfangreiche hochwertige biografische Daten ehemaliger hessischer Rabbiner zugreifen könne. Dem Vorschlag folgend, bin ich nun seit Ende Mai 2026 im Rabbiner-Projekt tätig. Da ich seitdem Zugriff auf das Redaktionssystem der Hessischen Biografie habe, kann ich als Redakteur selbst Änderungen und Ergänzungen an bestehenden Datensätzen vornehmen oder neue Datensätze anlegen. Mittlerweile habe ich für 34 ehemalige hessische Rabbiner neue Datensätze angelegt.
Eine Überarbeitung der ca. 300 Datensätze, die in der Hessischen Biografie für ehemalige hessische Rabbiner existieren, ist derzeit im Gange. Mein Ziel ist es, für jeden dieser Rabbiner möglichst auch die biografischen Daten der Eltern, der Ehefrau und der Kinder zu ermitteln, wie im Fall von Laser Weingarten (1863–1937)Öffnet sich in einem neuen Fenster aus Felsberg, der über vierzig Jahre als Rabbiner in Bad Ems tätig war und zudem nun weit umfangreichere Daten vorliegen als im Rabbiner-Handbuch, das hier als Ausgangspunkt genutzt wurde. Dafür nutze ich bei meinen Recherchen neben dem Personenstandsarchiv Hessen auch genealogische Datenbanken wie geni.com und familysearch.org. Außerdem ist das Portal „ Compact MemoryÖffnet sich in einem neuen Fenster“ sowie die „ Freimann-SammlungÖffnet sich in einem neuen Fenster“ der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main bei den Recherchen von großem Wert. Dieses Portal umfasst 500 jüdische Zeitschriften und Zeitungen des vorwiegend deutschsprachigen Raumes aus den Jahren 1768 bis 1938. Dort lassen sich beispielsweise die literarischen Arbeiten des Mosbacher Rabbiners Dr. phil. Leopold Löwenstein (1843–1923) finden. Er forschte über die Geschichte jüdischer Gemeinden in Südwestdeutschland. Autor der wohl wichtigsten Quelle zur Personengeschichte der Frankfurter Juden von 1241 bis 1830 war Dr. jur. Shlomo EttlingerÖffnet sich in einem neuen Fenster (1889–1964). Er sammelte in jahrzehntelanger Arbeit biografische Daten der früheren jüdischen Bevölkerung in der Main-Metropole. Digitalisate dieser umfangreichen wertvollen Daten hat das Leo Baeck Institute New YorkÖffnet sich in einem neuen Fenster online gestellt.
Sehr hilfreich für meine Recherchen sind die beiden Rabbiner-Handbücher des Steinheim-Instituts. Darin sind die biografischen Daten von insgesamt 2.703 deutschen Rabbinern aus den Jahren 1781 bis 1945 prosopografisch erfasst. Aufgrund der enormen Menge an Daten, die in diesen beiden Handbüchern zusammengetragen wurde, ist es nicht verwunderlich, dass mitunter auch fehlerhafte Angaben zu finden sind – ein generelles Problem prosopografischer Arbeiten. Im Vertrauen darauf, dass die von anderen Forscherinnen und Forschern schriftlich fixierten Daten korrekt sind, werden diese ungeprüft in die eigenen Arbeiten übernommen. Schreibt einer vom anderen lediglich ab, werden eventuelle Fehler über Jahre oder Jahrzehnte hinweg fortgeführt. Finden sich offensichtliche Ungereimtheiten in den Rabbiner-Handbüchern, suche ich nach validen Primärquellen. So konnten beispielsweise nach meiner Kontaktaufnahme zu den Universitätsarchiven in Würzburg und Tübingen dank deren Unterstützung gesicherte Erkenntnisse über die Studienverläufe und Dissertationen von drei ehemaligen hessischen Rabbinern gewonnen werden.
Daher freut es mich, dass auf Basis meiner bisherigen Recherchen mehrere Ergänzungs- und Korrekturvorschläge im „ GedenkbuchÖffnet sich in einem neuen Fenster“ des Bundesarchivs aufgenommen wurden. Auch in der Hessischen Biografie wurden neue Datensätze eingefügt, die an Holocaust-Opfer erinnern, zum Beispiel zu Karl Münz (1881–1941)Öffnet sich in einem neuen Fenster.