Workshop des HIL zur Arbeitsmigration in Hessen

Am 19. Juli 2023 war das HIL Gastgeber eines halbtägigen Workshops zum Thema „Arbeitsmigration in Hessen nach 1945“, der in den Räumen des Hessischen Staatsarchivs Marburg stattfand. Eingeladen waren Forscher:innen, die sich auf historischer Ebene mit Themen der Migrationsforschung in Hessen befassen oder sich in der Vergangenheit damit befasst haben: Historiker:innen, Archivar:innen, Ausstellungsmacher:innen, Lehrer:innen, Vertreter der Ausländer-Communities etc. Der Workshop wurde im Rahmen eines Forschungsprojekts des HIL veranstaltet, das im Mai 2022 angelaufen ist und sich mit der Arbeitsmigration in Hessen zwischen 1955 und 1990 beschäftigt (https://hil.hessen.de/arbeitsgebiete/arbeitsmigration-in-hessen-nach-1945). Das vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst finanzierte Projekt hat sich zwei Ziele gesetzt: die Veröffentlichung einer gedruckten Quellenedition zum Thema Arbeitsmigration in Hessen nach 1945 und den Aufbau eines digitalen Auftritts im Rahmen des Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen – LAGIS, bei dem mithilfe audiovisueller, visueller und schriftlicher Quellen ein möglichst breit gefächertes Publikum angesprochen werden soll. Beabsichtigt ist dabei nicht zuletzt, den Arbeitsmigrant:innen, die im Untersuchungszeitraum nach Hessen kamen, selbst eine Stimme zu geben. Eine solche Zielsetzung erfordert besondere Anstrengungen, was die Quellenarbeit anbelangt. Sich über die Wege, die dabei beschritten werden können, und die Erfahrungen, die bei ähnlichen Vorhaben bisher gemacht wurden, näher auszutauschen, war ein wesentliches Ziel der Veranstaltung. Der Workshop diente mithin vor allem dem Erfahrungsaustausch und der Vernetzung. Erörtert wurde, was auf dem Feld der Forschung zur Arbeitsmigration in Hessen bereits geschehen ist, was derzeit geschieht und was noch geschehen sollte.

Zwei Präsentationen setzten zunächst den Rahmen: Ein Vortrag von Viktoria Asschenfeldt, Sebastian Saliger und Wolfgang Hombach erläuterte die Zielsetzung, Konzeption und Umsetzung des Hanauer Ausstellungsprojektes „Angeworben? Angekommen?“, das sich mit der Geschichte der italienischen und spanischen Arbeitsmigrant:innen und ihrer Familien in der hessischen Mittelstadt befasst (und noch bis zum 17. Dezember 2023 im Stadtmuseum Großauheim zu sehen ist). Eine Präsentation von Wilfried Rudloff führte in Grundkonzeption, Durchführungsprobleme und erste Erträge des laufenden Marburger HIL-Projektes zur Arbeitsmigration ein. An beide Vorträge knüpfte sich eine sehr intensive Diskussion, die methodische, konzeptionelle wie inhaltliche Probleme berührte. Die Frage, wie man die Erfahrungswelten der Migranten selbst erschließen kann, welche Quellen und methodische Zugänge dabei zur Verfügung stehen, welche Hemmnisse und Hindernisse sich einem solchen Vorhaben in den Weg stellen, bildete so etwas wie den roten Faden der Erörterungen. Es wurde zudem der Wunsch laut, eine solche, dem Erfahrungsaustausch dienende Veranstaltung künftig zu wiederholen.

Wilfried Rudloff

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