Carsten Fiedler, Beisitzer, und Olaf Ditzel, Vorsitzender des Geschichtsvereins sowie Holger Th. Gräf und Bürgermeister Martin Müller beim Rundgang durch die „Widmarckt“ und Fred Feuerstein, der lustige Bewohner des Dachstuhls.

Herr Gräf trifft eine bekannte Zeichentrickfigur

Anlässlich seines Vortrages am 3. Dezember in Vacha konnte Herr Gräf auch das in Grundsanierung befindliche Rathaus besichtigten und traf unvermutet auf einen alten Bekannten.

Bereits vor gut einem Vierteljahrhundert trat Herr Gräf mit dem Geschichtsverein in Vacha in Verbindung. Damals arbeitete er an der Edition von „Lebenslauf und Kriegstagebuch 1617 des hessischen Obristen Caspar von Widmarckter“ die im Jahre 2000 unter dem Titel „Söldnerleben am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges“, in Marburg erschien und auch in Vacha präsentiert wurde.

Der Bezug zum Ort ergab sich über die Person Widmarckters (1566–1621). Er entstammte einer alten Offiziersfamilie, deren Mitglieder im 16. Jahrhundert in unterschiedlichen Diensten standen. Er selbst begann seine Laufbahn in Frankreich und wechselte 1597 in die Dienste des Landgrafen Moritz, der ihn 1601 auch zum Amtmann von Vacha ernannte. Hier erbaute er 1613/14 seinen repräsentativen Amtssitz, im Volksmund „die Widmarckt“, der seit 1911 als Rathaus der Stadt dient.

Im letzten Jahr wurde Herr Gräf vom Geschichtsverein zu dem Vortrag eigeladen, der sich der Frage widmete „War die Reformation ein ‚Brandbeschleuniger‘ für den Bauernkrieg von 1525?“ Zunächst warf er darin einen kritischen Blick auf das Jubiläumsjahr mit seinen zahlreichen Tagungen, Publikationen und Ausstellungen und konstatierte eine dem Reformationsjubiläum 2017 ähnliche Engführung auf das jeweilige Zentralereignis. Deshalb stellte er in einem ersten Schritt das Reformationsgeschehen in eine längere Tradition der Kirchen- und Papstkritik, die es bereits während des Mittelalters gab – und das nicht nur im Alten Reich. Dementsprechend ordnete er anschließend auch den Bauernkrieg in eine längerfristige Tradition von Untertanenkonflikten ein, man denke etwa an die Aufstände unter Wat Tyler im England des späten 14. Jahrhunderts. Allerdings betonte er, dass der „reformatorische Aufbruch“ – der jedoch nicht allein auf Luthers reformatorische Tat beschränkt werden sollte – tatsächlich als Brandbeschleuniger für den Bauernkrieg von 1525 gesehen werden kann, insofern die Rückbindung des individuellen wie des gesellschaftlichen Lebens an das „Göttliche Recht“ und an das Evangelium durch die reformatorische Theologie entscheidend war. Das Evangelium wurde von den aufständischen Bauern gewissermaßen zur Lehre des Lebens und diente der Legitimation ihrer Forderungen. Selbstverständlich fand dabei auch das unmittelbare Geschehen in Hersfeld und Vacha Berücksichtigung, insbesondere im Vorfeld der Schlacht von Frankenhausen.

Als Vachas Bürgermeister Martin Müller, der in Jena Geschichte studiert hat, vom Vortragstermin erfuhr, lud er Herrn Gräf zu einem Rundgang durch das in Grundsanierung befindliche Rathaus ein. Tatsächlich handelt es sich dabei um einen außerordentlich bedeutenden Renaissancebau. Besonders bemerkenswert ist das steinerne Untergeschoss, mit dem von einem Korbbogen überwölbten und von zwei toskanischen Halbsäulen eingefassten Portal. Beeindruckend sind auch die manieristischen Stuckdecken aus der Erbauungszeit, die sich in einigen Räumen erhalten haben und die nun auch restauriert werden. Hierzulande einzigartig sind die drei Lilien, die sich an der Decke des Erkers befinden. Auch wenn Georg Voss, der Bearbeiter der Denkmaltopografie von 1911, also in der Zeit der unseligen deutsch-französischen „Erbfeindschaft“, sie als „drei gothische Lilien“ (S. 29) beschrieb, handelt es sich dabei um die Fleurs-de-Lis, also das französische Königswappen und sie dürfen als Reminiszenz Widmarckters an seine französischen Dienste verstanden werden. Eine weitere Überraschung erwartete den Besucher dann auf dem Dachboden. Kaum ist die Treppe erklommen, steht man dem „lebensgroßen“ Fred Feuerstein auf dem Putz eines der zahlreichen Schornsteine gegenüber. Tatsächlich fand diese amerikanische, außerordentlich erfolgreiche Zeichentrickserie, die im westdeutschen Fernsehen von 1965 bis 1990 lief, offenbar auch in Vacha ihre Fans.

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